Heft 05/2012
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Eike bei der World Series of Poker…

Der Autor der Bücher “Poker mit System” berichtet in diesem Blog über seine Erlebnisse bei der WSOP, der Poker-Weltmeisterschaft in Las Vegas 2008.

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Eike bei der World Series of Poker... - 14. Jul 2008

Good Bye Vegas

So, langsam neigt sich mein Trip nach Las Vegas dem Ende. Alles in Allem habe ich hier viel Spaß gehabt und sehr viel dazu gelernt übers Pokern.

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So, langsam neigt sich mein Trip nach Las Vegas dem Ende. Alles in Allem habe ich hier viel Spaß gehabt und sehr viel dazu gelernt übers Pokern. Bei der WSOP war ich zwar in diesem Jahr nicht so erfolgreich, bin mit meinem Spiel aber trotzdem im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Ich habe in den Situationen, in denen ich aus Turnieren ausgeschieden bin, meine Chips immer mit einer starken Hand in die Mitte bekommen, und meistens war ich sogar Favorit, die Hand zu gewinnen. Dass die Würfel dann leider größtenteils für meine Gegner gefallen sind, ist zwar schade, aber eben Teil der Varianz und somit Teil des Spiels. Da kann man nicht wahnsinnig viel gegen machen. Immerhin war ich in einem Turnier außerhalb der WSOP erfolgreich und konnte im Cashgame ein gutes Plus verzeichnen, so dass der Pokerausflug nach Las Vegas insgesamt ein guter Erfolg war, den ich auf jeden Fall wiederholen werde.
Aber wenn ich das nächste Mal in die Wüste von Nevada reise, werde ich mir ein wenig mehr Zeit fürs Sightseeing einräumen, denke ich. Denn das ist diesmal leider viel zu kurz gekommen. Las Vegas hat noch einiges zu bieten, das ich mir allerdings in der Zeit nicht angeschaut habe. Schließlich war ich voll aufs Pokern konzentriert.
Bisher habe ich mir immer eine Auszeit zwischen meinen Live-Sessions gegönnt, bzw. war mit etwas anderem beschäftigt gewesen. Aber wenn man hier in Vegas zum Pokern ist, dann vergehen 4 Wochen am Pokertisch fast wie im Flug.

Einzig negativer Punkt: leider musste ich auch feststellen, dass ich gegen Ende immer unaufmerksamer wurde am Pokertisch… Eine psychische Ermüdungserscheinung, die ich bei mir in der Zukunft etwas weiter beobachten werde. Lag es am wechselhaften Klima? Oder wird das Pokergehirn nach 4 Wochen Dauerbeschuss irgendwann müde? Ich habe mich darüber gestern mit einem amerikanischen Freund unterhalten, und er hat die These vertreten, dass die Klimaanlagenluft in den Casinos dafür verantwortlich sei. Die sei perfekt darauf abgestimmt, dass die Casinobesucher die Welt um sich herum vergessen und nur noch ans Zocken denken. Und tatsächlich fing auch ich irgendwann an, in den Casinos eine gewisse "Sch…egal-Einstellung" zu entwickeln. Zeit, Raum und auch Geldwert verlieren an Bedeutung in den Spielhöllen der Wüste, das musste ich gegen Ende auch bei mir beobachten.

Las Vegas

Aber deshalb gönne ich mir jetzt auch eine kleine Pause vom Pokern, verbringe eine abschließende Woche bei Freunden in Portland/Oregon, um mich ein wenig abzulenken und wieder auf den Planeten Erde zurück zu finden. Die Welt in Las Vegas ist doch schon ziemlich unwirklich, und man vergisst mit der Zeit, dass es noch etwas anderes gibt außer klimpernden Chips, klingelnden Automaten, blinkenden Casino-Fassaden und netten Casino-Angestellten, die einen mit kostenlosen Getränken, warmen Mahlzeiten oder sogar Massagen am Pokertisch versorgen.

Vegas, ich komme wieder…

Meine nächste Pokerstation wird voraussichtlich die European Pokertour (EPT) werden bzw. die WSOPE (World Series of Poker Europe) im September.

Bis dahin, danke fürs Mitlesen und
See you at the tables!

Euer Eike

Eike bei der World Series of Poker... - 09. Jul 2008

Cashgame & Main Event

Die letzten Tage habe ich mich vorrangig auf das Cashgame hier in Las Vegas konzentriert. In Turnieren braucht man einfach das gewisse Glück an den entscheidenden Stellen…

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Die letzten Tage habe ich mich vorrangig auf das Cashgame hier in Las Vegas konzentriert. In Turnieren braucht man einfach das gewisse Glück an den entscheidenden Stellen… Im Cashgame kann man einfach nachkaufen, wenn die 20%ige Gewinnchance des Gegners eintritt, auf die er sein ganzes Geld gesetzt hat. Im Turnier kann es das Aus bedeuten.

Das musste ich in den letzten Turnieren hier leider aufs übelste zu spüren bekommen, denn wenn ich den Flush hatte, und mein Gegner 2 Paar, dann kam das Full House auf dem River. In einem anderen Turnier habe ich sogar das bessere Full House am Turn (mit KT auf einem KT5T Board) und mein Gegner (mit 55) kauft sich den 1-Outer am River. *(1)

Ich wurde von einer Seite gefragt, ob ich denn nicht das "Main Event" spiele… Ich selber halte (aus genau den oben genannten Gründen) nicht sonderlich viel davon, 10.000$ in ein einzelnes Turnier zu investieren. Auch wenn es das anerkannteste Turnier des Jahres ist, sind es immerhin noch 10.000$ Startgeld.

Da ich allerdings im Satellite-Room über 4.000$ in Turnierchips verdient hatte, und noch ein paar ungenutzt waren, habe ich 1.000$ für eins der Main-Event Qualifikationsturniere hier vor Ort investiert. Ich habe in den ersten 2 Blindlevels leider überhaupt keine Hände bekommen, nicht mal suited connectors o.ä.. Dann habe ich mit Dame/Bube (QJ) am Flop zwei Paar getroffen, und meine Chips in die Mitte bekommen. Mein Gegner hatte allerdings leider seinen Drilling mit einem Paar 2er gemacht. Dadurch war ich kurze Zeit später raus und konnte somit kein Ticket für das Main Event ergattern. Einen Versuch wars wert, mehr aber auch nicht.

Das kann natürlich für einen Spieler frustrierend sein, vor allem wenn es in einem Liveturnier passiert. Denn dort sitzt man stundenlang am Tisch, schmeißt seine mittelmäßigen Karten weg, wartet geduldig auf die richtigen Momente, und dann darf man durch solche Rückschläge ohne Auszahlung für die investierte Zeit nach Hause dackeln.
Aber so ist nun mal das Spiel, man lernt damit zu leben. Ich habe in solchen Situationen auch schon das Glück auf meiner Seite gehabt. In einer Cashgame-Partie im Cesar’s konnte ich vorgestern z.B. mit AQ ein Paar Asse knacken mit zwei Damen auf dem Board, in einer anderen Partie kam z.B. die Straße auf dem River für mich, als ich meinen geblufft und All-In gesetzt habe. Glück und Pech gleichen sich immer irgendwie aus in diesem Spiel. Gewinnen kann man auf Dauer nur, wenn man seine mathematischen und psychologischen Vorteile sucht und ausnutzt in diesem Spiel, und sein Spiel dauerhaft von neuem überarbeitet.

Heute werde ich mich noch ein paar Cashgame-Runden widmen, und ein wenig den internationalen Superstars über die Schulter schauen. In der Flut an Amateuren beim Main Event sind die gar nicht so leicht zu finden! Und einige von ihnen sind auch bereits am ersten Tag des Main Events ausgeschieden… Es sind eben immer noch Turniere. ;-)

Hier konnte ich z.B. Phil Ivey ausfindig machen:

Phil Ivey beim Main Event
Beste Grüße aus Las Vegas wünscht Euch,

Euer Eike

—————-
Sticky:

*
(1)
Outs sind die verbleibenden Karten im verdeckten Kartendeck (also in der Hand des Dealers), die einem Spieler helfen, seine Hand zur Gewinnerhand zu verbessern. Wenn zwei Spieler z.B. vor dem Flop All-In gehen, und der eine hat ein Paar Asse, der zweite ein Paar Könige, dann benötigt der Spieler 2 mindestens einen König, um die Hand zu gewinnen. Da insgesamt 4 Könige im Deck sind, er bereits zwei davon in der Hand hält, bleiben im Deck noch zwei Könige übrig. Demnach hat er 2 Outs. Wenn ein Spieler also am Pokertisch von einem "2-Outer" spricht, meint er genau das. Ein "1-Outer" ist eine noch unwahrscheinlichere Situation. Dann hilft dem Spieler ganz genau eine Karte im Deck, um die Hand zu gewinnen. Das Beispiel oben ist eine solche Situation, da mein Gegner am River seine vierte Fünf bekommen hat. Das war die einzige Karte im Deck, die ihm die Gewinnerhand machen konnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür am River liegt bei 2%.

Eike bei der World Series of Poker... - 03. Jul 2008

WSOP Events ausverkauft & Wüsten-Grippe

So liebe Pokerfreunde, nachdem bis heute wieder mal das Internet weg war in meinem Hotel, und ich zu allem Überfluss auch noch leicht am Kränkeln bin, fasse ich einmal kurz die letzten Tage zus

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So liebe Pokerfreunde, nachdem bis heute wieder mal das Internet weg war in meinem Hotel, und ich zu allem Überfluss auch noch leicht am Kränkeln bin, fasse ich einmal kurz die letzten Tage zusammen:

Nachdem ich den letzten Blogeintrag geschrieben hatte, und voll motiviert zum Rio gewandert bin, wurde ich bereits im Flur zum WSOP-Bereich von der Menschenmenge erschlagen. Ich sollte mich nicht getäuscht haben: es WAR proppevoll an diesem Samstag. So voll sogar, dass das Turnier restlos ausverkauft war. Ich hatte zwar eine Preregistration gemacht, die hatte aber keine wirkliche Bedeutung bis zum Turniertag, wenn ich sie vor Ort nicht durch meine Einzahlung abschließe. (Wozu macht man dann die Pre-Registration? Aber egal)

Das konnte natürlich niemand ahnen, und so musste ich unverrichteter Dinge wieder abdackeln, denn der Turnierbereich war an diesem Tag nur für Spieler geöffnet. Kein Cashgame, keine Satellites. Also habe ich mich kurzerhand entschlossen, den Tag mit ein wenig Cashgame im Mirage zu verbingen.

Der Pokerraum im Mirage: etwas dunkel, aber gut!Dort lief es dann sehr "swingy" ab: ich war mal 1200$ vorne, dann wieder 800$ hinten, und am Ende ca. 400$ vorne. Der Grund war ein völlig durchgeknallter und am Ende des Tages auch ziemlich besoffener Australier.
Er schien das Spiel nicht so wirklich verstanden zu haben, meistens wusste er nicht mal beim Showdown, ob er gewonnen hatte oder nicht. Aber er raiste und reraiste zu jeder beliebigen Zeit, nur um den Pot klar zu machen. Seine eigenen Karten waren dabei vollkommen egal.
Und so wurde der ganze Tisch völlig aufgeheizt und zum Ringen darum, wer denn wohl seine Chips bekommt, denn er warf förmlich damit um sich. Natürlich hatte er auch mal eine gute Hand, und bekam die auch super ausbezahlt. Schließlich hat ihm niemand irgendetwas geglaubt, der länger als 5 Minuten an diesem Tisch war. Und so ging der Australier nie wirklich pleite, sorgte aber für orentlich Action am Tisch.
Hätte er in der letzten Hand, die ich gegen ihn gespielt habe, nicht am River sein besseres Full House bekommen, wäre ich wahrscheinlich mit ca. 2000$ Plus nach Hause gegangen. Aber so waren es immerhin noch 400$.
Ich hatte im Laufe des Tages leider immer mehr das Gefühl, so langsam doch ein wenig zu kränkeln bei den ständigen Temperaturschwankungen.
Und am Tag darauf bekam ich auch direkt die Bestätigung: ich fühlte mich völlig schlapp und krank. Es war keine wirkliche Grippe, glaube ich. Aber die äußeren Bedingungen hier sind eine ganz schön anstrengende Tortour für den Körper, wenn man es nicht gewohnt ist. Also blieb ich mal einen Tag zu Hause im Bett und habe mir das amerikanische TV-Programm zu Gemüte geführt. (Ich glaube, ich bin an diesem Tag ein heimlicher Jerry Springer-Fan geworden. Die Sendung ist in Wahrheit viel cooler, als ich bisher immer gedacht hatte. Der Joke der Sendung kommt bei den Ausschnitten im deutschen TV überhaupt nicht rüber.)

Tja, dann habe ich mir natürlich noch die deutsche EM-Pleite auf ESPN live anschauen dürfen… kein gutes Wochenende. Es hatte immerhin einen netten Ausklang, als ich als Spieler eines kleinen WSOP-Nebenevents auf eine Invitational-Poolparty im Palms-Hotel eingeladen wurde. Dort feierte ein schon ziemlich angetrunkener Scotty Ngyen seinen Sieg beim Championship H.O.R.S.E.-Event. Das Event ist mit 50.000$ Buy-In das teuerste und am höchsten angesehene Event bei der WSOP. Da ich aber leider immer noch recht angeschlagen war, bin ich nicht sonderlich lange geblieben.

Die letzten beiden Tage habe ich mich etwas erhohlt, ein wenig Cashgame gespielt und heute (Mittwoch) war ich im Grand Canyon mit zwei deutschen Pokerfreunden beim Hoover Damm. Ein beeindruckendes Bauwerk, sollte man mal gesehen haben!

Da in ein paar Minuten ein 340$ Turnier beginnt, an dem wir mit ein paar Leuten teilnehmen, mache ich erst einmal Schluss an dieser Stelle mit dem Update aus Las Vegas.

Bis die Tage, Euer Eike

Eike bei der World Series of Poker... - 28. Jun 2008

Erster Turniererfolg in Vegas

Ich habe die letzten Tage damit verbracht, die einzelnen Pokerräume der Casinos in Vegas auszuprobieren.

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Ich habe die letzten Tage damit verbracht, die einzelnen Pokerräume der Casinos in Vegas auszuprobieren. Das Cashgame verlief dabei mehr oder weniger plusminus Null, dafür habe ich vorgestern beim "225$ Deep Stack Turnier" *(1) im Cesar’s Palace den 4. Platz von 520 Teilnehmern erreicht und ca. 6600$ dafür erhalten. Als wir nur noch zu viert sind, bekomme ich mit einem Paar Könige alle Chips meines Gegners in die Mitte, der ein Paar Buben hält. Leider macht der dritte Bube auf dem Turn mich zum absoluten Shortstack und ich scheide eine Hand später dann auch als Vierter aus. Aber immerhin 6600$ sind eine annehmbare Entschädigung für 14,5 Stunden Sitzfleisch.

Hier kann man Turnierdollars verdienenNachdem ich in den letzten Tagen im Satellite Room des Rio Hotels mittlerweile 2500-WSOP-Turnierdollars in den Sit&Gos verdient hatte, registrierte ich mich gestern damit für das 2000$ Event #48. (Mittlerweile ist der Raum übrigens so überfüllt, dass man mind. 1 Stunde Wartezeit hat auf einen Platz)…

Dieses Event verlief allerdings alles andere als gut, denn ich schied bereits in Blindlevel 2 aus. Zuerst habe ich zweimal einen Shortstack aufgedoppelt, der beide Male er ein Paar Asse hielt und ich mit AJ bzw. TT keine Hilfe bekam. Als mittlerer Stack lasse ich mich dann böse von einem Paar Sechser aus einem Pot bluffen, als ich selber mit einem Paar Zehner die beste Hand halte. Mein Schicksal wird dann von einem Paar Buben besiegelt, als ich mit AK meine letzten Chips in die Mitte stelle. Erneut keine Hilfe auf dem Board und ich scheide enttäuscht recht früh aus.

Heute steht dann für mich das Event #49 für 1500$ an, das sicherlich wieder restlos überfüllt sein wird als Samstags-Event. Drückt mir die Daumen.

Viele Grüße aus Las Vegas,

Euer Eike

—————-
Sticky:

*
(1)
Unter einem Deep Stack Turnier versteht man Turniere, die eine gute Blindstruktur haben, sprich mit vielen Chips beginnen im Verhältnis zu den Blinds. Die 1500$ oder 2000$ WSOP-Turniere sind alles keine Deep Stack Turniere, dafür aber die sog. Championship Events (ab 10.000$ Buy-In)

Eike bei der World Series of Poker... - 24. Jun 2008

Am Tisch mit den Stars…

Die WSOP ist schon faszinierend.

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Die WSOP ist schon faszinierend.
Du registrierst dich für ein Turnier, gleichzeitig zücken am Schalter gegenüber auch Daniel Negreanu, Phil Hellmuth und Antonio Esfandiari ihre millionenschweren Brieftaschen, um sich für ein Turnier einzuschreiben.
Dann stehst du am Rand eines Tisches und Scotty Nguyen kommt von hinten angeschlichen, legt dir den Arm um die Schulter und fragt dich aus, was hier gerade so abgeht… Ein kleiner Plausch am Tisch mit den TV-Stars hier, ein kleiner Smalltalk in der Pause dort. Jeder ist nett zu jedem und man hat nicht das Gefühl, dass es hier z.T. meilenweite Unterschiede zwischen einigen Amateuren und den absoluten Superstars gibt.

Legende Doyle Brunson mit ein paar Amateuren bei der WSOP

Ich meine, man stelle sich das nur mal in anderen Bereichen vor: Ein Haufen Musiker und Bands der unterschiedlichen Klassen spielen auf einem großen Festival, und dann kommen Lenny Kravitz, Justin Timberlake oder Metallica zu den Schulbands auf die Bühne, oder quatschen lockerflockig im Backstage-Bereich mit den Semi-Profis über die neusten Gitarren Modelle oder den Umgang mit dem eigenen Lampenfieber. Oder die Fussball EM ist nicht mehr Superstars gegen Superstars, sondern jeder gegen jeden, und wer am Ende übrig bleibt, hat gewonnen. Undenkbar!

Aber nicht nur im Turnierbereich der WSOP bestätigt sich etwas, das mir schon seit langem immer wieder popsitiv auffällt: Poker ist ein Spiel, das keine Unterschiede macht! Es ist völlig egal, welche Hautfarbe oder welche Religion du hast. Es spielt auch keine Rolle, ob ein Spieler einen Sprachfehler oder ein z.B. durch einen Unfall entstelltes Gesicht hat. Am Pokertisch ist wirklich jeder Mensch dem anderen gleich, und es wird auch jeder gleich behandelt. (Ausnahmen gibt es wahrlich selten).

Diese soziale und menschliche Seite des Spiels wurde mir heute wieder besonders bewusst, als ich erneut den Weg zum Cashgame ins Venetian fand.
Der Weg zum Casino im VenetianMan muss sich das Venetian ungefähr so vorstellen: Es ist alles auf venetianischen Prunk ausgelegt (daher auch der Name) und gleichzeitig auf Glitzer und Glamour.
Es ist überall und ständig sauber, die weiblichen Bedienungen sehen durch die Bank weg überdurchschnittlich gut aus, und geizen in recht knapper Bekleidung auch nicht gerade mit ihren Reizen. Alle der Dealer an den Pokertischen sind absolut kompetent und haben immer einen flotten Spruch auf Lager. Mit anderen Worten: alles hier, aber auch alles (!) ist auf einen perfekten, äußeren Anschein ausgelegt.

Und einer der Dealer hat eine Behinderung.

Er sitzt im Rollstuhl, sein Gesicht ist etwas schiefer als normal und er hat eine gewisse Koordinationsschwäche mit den Händen. Aber das hält ihn nicht davon ab, seinen Job genauso gut zu machen, wie die anderen Dealer auch. Er ist vielleicht minimal langsamer beim Verteilen der Karten, aber das stört niemanden wirklich. Und nicht nur das… er wird von seinen Kollegen und von den Spielern genauso akzeptiert, als wäre seine Behinderung überhaupt nicht vorhanden.
Selbst die coolsten Skater-Typen am Tisch, die sich Zahnstocherkauend mit Sonnenbrille und Baseballcap für die Reinkarnation von Elvis halten, machen die gleichen Späße mit ihm, wie mit jedem anderen Dealer auch.
Es gibt noch nicht mal so etwas wie Berührungsängste, wie man sie vielleicht sonst aus dem täglichen Leben kennt. Seine Behinderung existiert am Pokertisch einfach nicht. Punkt. In anderen Bereichen, in denen so viel Wert auf den äußeren Anschein gelegt wird, wäre bestimmt wenig Platz für einen behinderten Arbeitnehmer im Rollstuhl. Im Pokerbereich ist das eben anders. 5 Sterne an dieser Stelle für das Venetian Hotel, Las Vegas.

Und ganz genauso wenig ist Daniel Negreanu ein Superstar, selbst wenn er mit absoluten Amateuren an einem Tisch sitzt. Oder Chris Fergusson, oder Gus Hansen. Nagut, OK… Phil Hellmuth ist einer, das lässt er auch jeden am Pokertisch ununterbrochen spüren (bzw. hören). Und das kann auch wirklich nerven, selbst wenn man – so wie ich vor ein paar Tagen – nur am Rand als Zuschauer mal kurz vorbei schaut. Aber das ist eben Phil Hellmuth, er feiert sich selber ab wie kein zweiter, und irgendwie scheint ihm das ja auch zu helfen. Unfair anderen Menschen gegenüber wird er dabei allerdings nie, das muss man dazu sagen.

Nunja, das war also heute mal ein kleiner Einschub jenseits der Karten zur sozialen Seite des Spiels, die man selbst hier bei der Weltmeisterschaft überall spüren kann. Es heißt, man lernt nie aus im Poker. Das kann ich nur bestätigen, und das hat nicht nur während einer Pokerpartie seine Gültigkeit…

Gute Nacht aus Las Vegas und bis die Tage,

Euer Eike.

Eike bei der World Series of Poker... - 23. Jun 2008

WSOP Event #39

Das WSOP Event #39 $1500 NL Hold’em war mit über 2700 Spielern mehr als überfüllt. Kein Wunder, es war ja ein schließlich Wochenendevent.

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Das WSOP Event #39 $1500 NL Hold’em war mit über 2700 Spielern mehr als überfüllt. Kein Wunder, es war ja ein schließlich Wochenendevent. Dementsprechend groß war der Andrang und das Getümmel an allen Stellen: am Eingang zu den Pokerräumen, in den Turnierpausen auf den Toiletten, an den Snackbars usw.

Es war so voll wie noch nie

Überall Leute, überall Lärm, ständig hörte man "an then he reraised me with Pocketqueens" oder "and I went All-In" usw.
Es ging ziemlich stressig zu an diesem Samstag im Rio Hotel und man war schon froh, wenn man an seinem Platz saß und in Ruhe Poker spielen konnte. Aber selbst das ging bei diesem Event nicht wirklich ruhig ab.
In der Ecke, in der ich saß, schien es von Amateuren, die irgendwie Aufmerksamkeit benötigten, nur so zu wimmeln. Jedes All-In (im ersten Blind-Level wohlgemerkt) wurde beschrieen, als ging es bereits um den Weltmeistertitel im Main Event. Und jede gewonnene Hand wurde neben dem obligatorischen "fistpump" (ehemals Becker-Faust) von einem euphorischen und lauten "YESSSSSS!" begleitet, damit auch jeder im Raum mitbekommt, dass hier gerade der neue Weltmeister seinen Weg macht. "Mhmm, ganz schön viele Weltmeister für einen Titel" dachte ich mir da nur.
In dem ganzen Zirkus gingen die Stars wie Humberto Brenes, Eric Lindgren, Eddi Scharf oder David Singer, die alle verteilt an meinen Nachbartischen saßen, schon fast unter. Aber naja, hier hatte jeder mal kurz seine "five minutes of fame", selbst wenn es nur am eigenen Tisch war. Wers braucht…

Hier registrieren sich die Spieler

Ich hatte einen relativ soften *(1) Tisch erwischt mit einzwei guten Spielern zu meiner Linken, aber sonst fast ausschließlich Amateuren. Bereits vor Beginn der Turnier konnte ich per Smalltalk die Spreu vom Weizen trennen, was mir im Laufe des Turnieres eines an wichtigen Informationen einbrachte. Ich konnte meinen Stack während der ersten 4 Blindstufen erfolgreich von 3.000 Startchips auf 20.000 Chips aufbauen, ohne sonderlich viele Hände zeigen zu müssen. Das war auch ganz gut so, denn ich bekam eigentlich hauptsächlich nur schlechte Karten. Die Highlights waren zweimal ein Paar Könige. Beide Male kam ein Ass auf dem Flop und ich musste die Hand direkt aufgegeben.

Als wir auf ca. 700 Spieler runter waren, kam leider die Wende an meinem Tisch, den ich bis dahin super im Griff hatte: Theo Tran, einer der Überflieger der diesjährigen WSOP mit bereits 3 Final Tables, und einer der stärksten Spieler aktuell, wurde auf den Platz direkt rechts neben mich gesetzt. Bingo, und dazu hatter er auch noch mehr Chips als ich. Und wie ich es erwartet hatte, raiste er eine Hand nach der anderen, so dass ich in meinem Spiel stark eingeschränkt wurde. Wenn er sie zeigen musste, waren es häufig eher mittelstarke Hände wie KT, A9, J8, K9 usw.

Aber Theo ist nicht nur ein starker Spieler, er hat aktuell auch einen wahnsinnigen Lauf. Er traf alles mögliche, und konnte seine Chips immer weiter ausbauen. Und den Lauf sollte er leider auch gegen mich haben. Als ich nach einigen Runden auf ca. 15.000 Chips runter war, raist er (mal wieder) auf 2200 (bei Blinds 400/800 und 100 Ante) und ich finde AK. Da ich eigentlich gar nicht großartig gegen ihn spielen wollte, sondern nur den 4400er Pot einsammeln wollte, gehe ich direkt All-In. Man nennt diesen Move einen Re-Steal. Mit ca. 19 Big Blinds hatte ich dazu auch noch einen perfekten Stack für diesen Move, so dass er nur mit einer superstarken Hand callen kann.
Alle anderen Spieler folden, er überlegt eine Minute hin und her, und callt schließlich mit einem Paar Buben. Natürlich musste er ausgerechnet diesmal eine wirklich gute Hand haben. Ich treffe auf dem Flop zwar den König, er bekommt aber auch seinen dritten Buben und ich scheide unglücklich als 396. von 2740 Spielern aus. Ab Platz 270 gab es Geld.

Den Abend über zermatere ich mir noch den Kopf, ob ich an irgendeiner Stelle aus dieser Hand rausgekommen wäre… Selbst wenn ich vor dem Flop nur gecallt hätte, wäre ich auf dem KJ4 Board allerdings gegen einen solch aggressiven Spieler All-In gewesen, egal wie ich die Hand im Kopf durchspiele. In Turnieren musst du nun mal diese Art von Situationen gewinnen, um an den Final Table zu kommen.

Auch wenn es kein Geld für meine "Performance" gab, bin ich insgesamt recht zufrieden mit meinem Spiel in diesem Turnier. Das Etappenziel "WSOP-Cash" rückt immer näher.
Für Theo Tran sollte es allerdings auch nicht ganz reichen, denn er schied kurze Zeit später ebenfalls aus dem Turnier aus.

Da mein nächstes Event noch ein wenig hin ist, werde ich jetzt die kommenden Tage mal nutzen, um mir Vegas etwas anzuschauen und abends noch etwas Cashgame zu spielen (um die Turnierausgaben wieder einzuspielen). Vielleicht spiele ich auch noch das eine oder andere von den kleineren Casino-Turnieren, von denen hier ja stündlich welche starten, um weiterhin in Turnierform zu bleiben, mal schauen.

Ein Update dazu gibts dann natürlich die Tage. Ich hoffe, Ihr bleibt am Ball.

Viele Grüße aus Las Vegas,

Euer Eike

—————-
Sticky:

*
(1)
Ein "softer" Tisch beim Pokern ist ein Tisch mit hauptsächlich schwach-passiven Spielern. Diese Spieler sehen und spielen ausschließlich ihre eigenen Karten, callen wenn sie eine Siegchance sehen, und folden, wenn nicht. Softe Tische können in Cashgames sehr profitabel sein, sind aber besonders in Turnieren eine gute Voraussetzung, um mit aggressivem Spiel viele Chips einzusammeln.

Eike bei der World Series of Poker... - 19. Jun 2008

WSOP Event #32

Endlich war es soweit: mein erstes Event bei der World Series of Poker.

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Endlich war es soweit: mein erstes Event bei der World Series of Poker.

Der lange Flur zum WSOP-Bereich

Nach ca. einer Woche Akklimatisierung in Vegas konnte ich es kaum abwarten. Und dann ging es leider doch viel zu schnell zuende. Ich hab es immerhin bis in Level 6 geschafft, und ca. 7 Stunden im Turnier gekämpft, bevor ich als Shortstack *(1) alles riskieren musste und ausgeschieden bin.

Aber von vorne: Bereits nach der dritten Hand wurde mir an meinem Tisch bewusst, dass meine Ausgangslage denkbar schlecht ist… Ich hatte zwar keine bekannten Stars an meinem Tisch, aber ich saß direkt im Sandwich zwischen den beiden aggressivsten Spielern am Tisch, die sich in fast jeder Hand ein Feuergefecht über meinen Kopf hinweg geliefert haben. Und wenn du so in der Schusslinie sitzt, reduziert sich dein Spiel leider fast ausschließlich auf die eigenen Karten. Das ist in Turnieren schlecht. Sehr schlecht sogar. Vor allem wenn man a) mit relativ wenigen Chips startet (es war eben kein Championship-Turnier) und b) diese Karten dann auch noch größtenteils ausbleiben. Aber in der Geduld sah ich meine Kraft…

Ich suchte mir die passenden Situationen für mein Spiel, konnte hier und da ein paar kleine Pots einsammeln, und wartete hochkonzentriert auf den richtigen Moment, um mich zu verdoppeln. Dann kam es zu folgender Hand: Ein anderer, ebenfalls sehr aggressiver Spieler raist in später Position, ich reraise mit einem Paar Damen (QQ) aus dem Big Blind und er callt.
Er hatte etwas weniger Chips als ich, aber bereits über die Hälfte seines Stacks in der Mitte, war also quasi "committed" (an die Hand gebunden). Der Flop bringt König, Bube, Sieben in 3 Farben (KJ7). Ich checke, er bietet sehr klein, ich calle. Der Turn bringt eine Zehn (T). Ich checke wieder und er bietet wieder sehr wenig. Ich interpretiere das hier als Schwäche, habe ja jetzt zusätzlich auch noch Chancen auf die Straße bekommen, und gehe davon aus, die beste Hand zu halten. Also raise ich und setze ihn damit All-In. Er callt im Bruchteil einer Sekunde und zeigt KJ für zwei Paar. Der River bringt keine Hilfe und ich bin runter auf weniger als das 5fache des Big Blinds. Mit anderen Worten: ab jetzt bleibt mir nicht mehr viel Zeit, um auf gute Hände zu warten!

Ich habe nur noch wenige Chips. Action-Time!

All-In mit KT und ich sammle die Blinds ein. All-In mit A5 und ich sammle die Blinds ein. Soweit so gut.
Dann kommt eine kleine Pause von 20 Minuten. Als wir wieder zurück sind, fehlt der Spieler im Big Blind noch, so dass seine Hand automatisch gefoldet wird. Sein Big Blind ist natürlich trotzdem noch im Spiel, sog. "Dead Money" also. Ich sitze in später Position und bete, eine ansatzweise brauchbare Hand zu finden, um mir dieses Dead Money stehlen zu können. Alle Spieler vor mir folden, und als ich unter meine Karten schaue, finde ich 76 in Herz. Ein sogenannter "Suited Connector" *(2) also. Das reicht mir allemal!

Ich gehe All-In, möchte natürlich eigentlich nur wieder die Blinds einsammeln. Der Smallblind aber überlegt ein paar Sekunden, und callt schließlich mit A8 in Karo. Eine 40:60 Situation gegen mich, aber auch die muss man mal gewinnen in Turnieren. Der Flop bringt mir auch direkt eine 7, mit einem Mal bin ich Favorit. Der Turn bringt das zweite Karo und der River leider die Karo Dame, die meinem Gegner den Flush und mir aus Aus beschert. Schade. Aber so ist das nun mal in Poker-Turnieren, ähnlich wie beim Tennis: gewisse "Big Points" musst du einfach machen.

Mit mir verlassen gleichzeitig ungefähr 1700 von 2100 Spielern das Feld in der Zeit des 6. und 7. Blindlevels. Von den großen TV-Stars haben übrigens nicht viele an diesem Turnier teilgenommen. Die meisten haben das "5000$ 7-Card Stud Hi/Lo"-Event an diesem Tag vorgezogen. Der einzige bekannte Spieler, der es in diesem Turnier auch ins Geld geschafft hat, war Phil Hellmuth.

Naja. Etwas frustriert, aber immer noch viel zu hungrig (aufs Pokern) irre ich eine zeitlang zwischen den verschiedenen Poker-Areas im Rio Hotel hin- und her und entscheide mich dann, ein paar Sit&Gos *(3) im Satellite-Room zu spielen. Hier kann man Turniergeld für die einzelnen Events verdienen.

Das erweist sich als durchaus lukrativ und im Laufe des Abends mache ich dort immerhin ca. 300$ Plus. Am darauffolgenden Tag habe ich mich noch ein wenig mehr den Satellites gewidmet und weitere 650$ in WSOP-Turnierdollars eingefahren. Am Abend konnte ich dann auch endlich etwas nennenswerter beim Cashgame abschneiden. Im Venetian fand ich einen Tisch mit zwei superaggressiven Bluffern, die mir zweimal meine Hände voll ausbezahlt haben. Mit 1100$ Plus verlasse ich das Venetian und falle gegen 4.30 Uhr erschöpft ins Bett.

Jetzt bereite mich innerlich schon mal auf mein nächstes Events bei der WSOP vor, das 1500$ No Limit Hold’em Event #39. Es startet am Samstag und wird wohl noch voller sein, als das letzte: schließlich ist es Wochenende und die Teilnahmegebühr beträgt "nur" 1500$. Dementsprechend viele amerikanische Amateurspieler werden natürlich übers Wochenende nach Las Vegas pilgern und an diesem Turnier teilnehmen.
Ich glaube, ich registriere mich heute schon mal im Voraus dafür. Am Wochenende kann man schon mal 2-3 Stunden in der Warteschlange stehen, habe ich gehört… Von dem Event werde ich Euch natürlich auch wieder berichten, drückt mir die Daumen.

Bis dahin, alle Gute aus Las Vegas,

Euer Eike

—————-
Sticky:

*
(1)
Unter einem "Shortstack" versteht man einen Spieler, der nur noch wenige Chips im Vergleich zu den Blinds hat. Sobald in einem Turnier die Chips weniger als das 10-12fache des Big Blinds betragen, sollte man als Shortstack besser gleich All-In gehen, wenn man eine Hand spielen möchte.

(2)
Ein "Suited Connector" ist eine Hand, bei der die beiden Karten direkt zusammenhängend sind (also 34, 78, JT) und die gleiche Farbe haben. Diese Hände haben gutes Potential, eine Straße oder einen Flush zu machen. Prozentual gesehen ist die Gewinnchance dieser Hände gegen die bekannten, starken Hände wie AK, AA, KK, QQ sogar deutlich besser als z.B. kleine Asse (A7, AT) oder mittelmäßige Könige (KT, KJ).

(3)
"Sit&Gos" sind Turniere, die starten, sobald sich eine bestimmte Anzahl Spieler angemeldet hat. Das gängigste Format sind die "Single-Table-SnGs", also die Turniere an einem Tisch mit 9 oder 10 Spielern.

Eike bei der World Series of Poker... - 17. Jun 2008

Sweatshirts und Kaffee in der Wüste?

"Wenn du nach Las Vegas fährst, nimm dir ausreichend Sweatshirts mit" hatte mir ein Pokerkollege geraten. Ja… ne, ist klar!

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"Wenn du nach Las Vegas fährst, nimm dir ausreichend Sweatshirts mit" hatte mir ein Pokerkollege geraten. Ja… ne, ist klar! Las Vegas liegt ja auch nur mitten in der Wüste Nevadas. Ein Blick auf das bevorstehende Wetter im Juni scheint die These auch wirklich nahe zu legen: 40 Grad im Schatten aufwärts, Wolken oder Regen Fehlanzeige.

Aber da ich ihm erst einmal Glauben schenken wollte, habe ich widerwillig ein paar lange Hemden und Sweatshirts eingepackt.
Tja, und was soll ich heute sagen: Es stimmt wirklich! Natürlich ist die Hitze draußen erdrückend und gleichzeitig tückisch: es ist längst nicht so feucht wie in Deutschland im Sommer und dadurch wirkt es nicht mal so heiß wie es in Wirklichkeit ist. Das eigentliche Problem ist aber: sobald man in eins der Hotels/Casinos tritt, erleidet man unmittelbar einen Temperaturschock von mindestens 20 Grad nach unten.

Und wenn man dann auch noch über viele Stunden am Pokertisch sitzt, kommen gleich mehrere sehr ungünstige Faktoren zusammen: als Pokerspieler bekommst du natürlich wenig Bewegung, hast durch die trockene Klimaanlagenluft ständig Durst und wirst rund um die Uhr kostenlos mit gekühlten Getränken versorgt. Und die Räume werden absichtlich ziemlich kalt klimatisiert, um die Spieler in den Casinos zu halten… Die Folge: du friest beim Pokern, und zwar nicht zu knapp! Unglaublich aber wahr.

Aber nicht nur die Körpertemperatur direkt am Pokertisch ist ein Problem, sondern auch die ständigen Temperaturschwankungen, denen der Körper hier automatisch ausgesetzt ist. Schließlich muss man ja auch irgendwie hin kommen zu den Casinos, und am Strip in Las Vegas (der Hauptstraße) ist man am besten zu Fuß unterwegs. Also bin ich immer mit warmen Klamotten ausgestattet, wenn ich mich auf dem Weg zum Pokern befinde und verzichte größtenteils auf kalte Gtränke am Pokertisch (auch Cocktails sind übrigens frei in Las Vegas). Stattdessen trinke ich ungekühltes Wasser und Kaffee. Gleichzeitig versuche ich mich so vitaminreich wie möglich zu ernähren, um nicht nach 1 Woche mit Grippe im Bett zu liegen. Denn das passiert hier schnell und es wäre wohl das letzte, was ich gebrauchen kann während der WSOP.

Gestern abend habe ich mich dann für ein kleines 150$-Turnier im "Harrah’s" angemeldet, war dort aber leider vollkommen carddead *(1), konnte kaum etwas unternehmen und musste relativ früh die Segel streichen. Danach wollte ich mir mal den Pokerraum im "Venetian" anschauen. Dort gibt es sehr viele Cashgame-Tische und diverse Turniere, die jeden Tag laufen. Der Pokerbereich im Casino ist groß, man bekommt sehr schnell einen Platz und bereits am ersten 5$-10$ Tisch treffe ich einen Bekannten wieder: einen Mitspieler aus dem "Cesar’s" von vor ein paar Tagen. Er heißt Aharon, kommt aus Armenien, ist sehr nett und spielt recht solde Poker.

Noch bevor ich mich setze, flüstert Aharon mir direkt zu, dass der Fisch *(2) des Tisches, um den sich hier momentan alles dreht, auf dem Platz 3 sitzt. Was mein armenischer Freund damit meinte, wird mir sofort bewusst, als ich Zeuge werde, wie der Fisch mehrere Hundert Dollar in einen Pot investiert, in dem er mit A4 nur die 4 am Flop getroffen hat, und bis zum River alles bezahlt. Sein Gegner, ein asiatisch aussehender Mittzwanziger, zeigt allerdings beim Showdown einen verpassten Flushdraw und damit einen Bluff. Augenrollen und Kopfschütteln von allen anderen Spielern. "Never bluff a monkey" heißt es so schön im Pokerjargon. Ich allerdings gratuliere beiden Spielern zu ihrer Spielweise und freue mich schon: Jackpot, hier bist du genau richtig! ;-)

Großer Pokerraum im Venetian

Wenn ich einen oder mehrere richtig gute Fische am Tisch habe, gehe ich meist erst dann, wenn sie gehen oder das Casino schließt. Diese Runden sind auf Dauer superlukrativ, und ich versuche natürlich, mein Kapital daraus zu schlagen. Leider bringt das Spiel gegen Fische auch einen Nachteil mit sich: sie verteilen immer mal wieder allerübelste Bad Beats *(3).
Und so treffe ich gleich in der ersten Hand gegen ihn 2 Paar mit T8 auf einem Flop von T82. Der Fisch checkt am Flop, ich biete hoch, der Fisch zahlt. Bingo. Seine Körpersprache sagt: "Ich hab hier gar nix, aber irgendwie will ich auch noch nicht aufgeben. Ich zahle mal." Ich habe also wohl sicher die beste Hand, und versuche, so viele Chips wie möglich von ihm zu bekommen.
Der Turn bringt ein Ass und das zweite Kreuz auf dem Board. Das scheint ihm irgendwie geholfen zu haben, aber er checkt erneut zu mir. Ich sehe hier keinen Grund, weshalb ich nicht die beste Hand haben sollte, und biete wieder hoch. Er zahlt schnell und der River bringt das zweite Ass. Der Fisch bietet, ich muss leider meine Hand aufgeben, und er zeigt A9 (kein Kreuz). Großes Tennis, der Herr! Ich habe in der Hand ca. 800$ verbrannt, kaufe diese direkt nach und hoffe, dass er noch ein wenig am Tisch bleibt, damit ich mein Geld wieder zurück holen kann.
Das gelingt mir auch und im Laufe der Nacht verteilt der Fisch sein Geld am Tisch mit den allerwildesten Calls. Leider verlässt er viel zu früh das Feld und kurz danach wird der Tisch auch aufgelöst, weil sich einer nach dem anderen verabschiedet. Tja, so isses manchmal beim Pokern: da versammeln sich alle gierig um eine Futterstelle, und sobald diese versiegt ist, sucht sich jeder eine neue.

Nachdem ich den kleinen Rückschlag vom Anfang wieder eingespielt hatte beende ich aber den Abend leider doch noch mit einem kleinen Minus von ca. 150$, nachdem mein armenischer Freund mich noch um ca. 650$ in einer Hand erleichtern konnte. Er hatte in erster Position nur gecallt, ich hatte im Big Blind mit KQ zwei Paar gefloppt, und konnte irgendwie nicht wirklich loslassen auf dem AAQ24 Board. Ich war mir nach meiner bisherigen Beobachtung sicher, dass er kein Ass hält, weil er als ziemlich aggressiver Spieler vor dem Flop sonst sehr wahrscheinlich geraist hätte. Aber unglücklicherweise zeigt er im Showdown AK und kassiert einen netten 1400$-Pot mit seinem "Slowplay" *(4). Es war sein letzter Abend in Las Vegas. Nice hand und guten Flug, Aharon!

Bisheriges Fazit des Cashgames hier in Las Vegas: ich befinde mich noch in der Aufwärmphase, aber man merkt jetzt schon: hier geht noch so einiges! :-)

Heute früh stand erst einmal der kleine Umzug innerhalb des Hotels an. Ich hoffe, meine Internverbindung läuft jetzt etwas stabiler. Bisher sieht es noch ganz gut aus…

Gleich schaue ich mir das EM-Spiel Deutschland gegen Österreich an, das hier auch live übertragen wird im TV und registriere mich danach im Rio für mein erstes 1500$-WSOP-Event, das morgen mittag startet. Davon werde ich Euch dann natürlich ausführlich berichten.

Beste Grüße aus Las Vegas wünscht Euch,

Euer Eike

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Sticky:

*
(1)
"Carddead" bedeutet, dass man keine spielbaren Karten bekommt, und demnach ständig seine Karten weg wirft, sprich an keiner Spielrunde teilnimmt. Manchmal bekommt man auch brauchbare Karten (AJ, QT o.ä.), muss diese aber bereits vor dem Flop aufgeben, weil z.B. vor einem geraist oder sogar gereraist wurde. Das Resultet: man sitzt herum, wirft seine Karten weg und wartet auf eine bessere Gelegenheit.

(2)
Unter einem "Fisch" versteht man einen Spieler, der nicht sonderlich gut Poker spielt. Fische spielen meist zu viele Hände, bezahlen zu häufig mit ihren Draws oder mit ihren mittelmäßigen Händen, und sind in der Regel sehr passiv. Diese Gegner stellen für einen guten Spieler immer das Hauptziel dar, denn sie verteilen meistens ihr Geld in wenigen Runden am gesamten Tisch.

(3)
Als "Bad Beat" bezeichnet man den Ausgang einer Hand, in der der Spieler mit den schlechteren Karten durch Glück am Schluss trotzdem noch gewinnt. Wenn z.B. ein Paar Asse und ein Paar Könige gegeneinander antreten, ist das Paar Asse zu 80% Favorit, diese Hand zu gewinnen. Wenn auf dem River dann aber der dritte König kommt, und die Asse deshalb verlieren, spricht man von einem "Bad Beat".

(4)
"Slowplay" ist das versteckte Spiel von starken Händen. Man lässt sie schwächer aussehen, als sie ist, um den Gegner in eine Falle und somit in den Pot zu locken. In "Poker mit System 1" gehe ich darauf etwas genauer ein…

Eike bei der World Series of Poker... - 15. Jun 2008

Erste Pokerrunde im Cesar’s Palace

Wie Ihr vielleicht am Erstellungsdatum sehen könnt, habe ich diesen und den vorherigen Beitrag ziemlich kurz hintereinander online gestellt.

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Wie Ihr vielleicht am Erstellungsdatum sehen könnt, habe ich diesen und den vorherigen Beitrag ziemlich kurz hintereinander online gestellt. Der Grund dafür liegt natürlich auf der Hand: die lausige Internetverbindung in meinem Apartement. Auch heute vormittag durfte ich mir wieder 1,5 Stunden mit der Support-Hotline des Internetanbieters vom Hotel um die Ohren schlagen. Immerhin geht es jetzt provisorisch ein wenig besser, so dass ich nicht mehr zum überteuerten Internetcafé im Nachbarhotel rennen muss…

Aber nun zum eigentlich wichtigen, meinem gestrigen Einstieg in die Pokerwelt von Las Vegas: Als ich gesehen hatte, dass im Cesar’s Palace um 19 Uhr ein kleines 150$-Turnier mit recht guter Struktur *(1) stattfindet, schien mir das ein guter Start für meinen Aufenthalt zu sein.

Das Cesar’s Palace ist – so wie alle anderen Hotels in Las Vegas auch – nach einem bestimmten Motto gestaltet. Hier ist es das Motto "Die alten Römer"… Der Schuppen ist voller Prunk und wo man hinsieht Statuen, Skulpturen oder hohe Kuppeln. Schick gemacht, kann man nicht anders sagen. Und der Pokerraum konnte sich auch sehen lassen:

Der große Pokerraum im Cesar's Palace

Nunja, nachdem ich mich vor Ort erfolgreich am Pokerdesk registrieren konnte, blieb mir aber noch ein wenig Zeit bis zum Turnierbeginn. Also lies ich mich noch schnell fürs Cashgame auf die Wartelisten eintragen, 2$-5$ und 5$-10$ sollte für den Anfang passen.
Es wurde auch sofort ein 2$-5$ Platz frei. Und dreimal dürft Ihr raten, wer ausgerechnet an diesem Tisch saß? Richtig, die beiden Schweden vom Hinflug! Sie haben mir erstmal erzählt, dass sie einige Probleme mit ihrem Gepäck gehabt hatten, und dementsprechend noch weitere 4 Stunden, nachdem ich in mein Taxi eingestiegen bin, am Flughafen abgehängen mussten. Tja, irgendwen erswischts halt immer…
Dieser Tisch war dementsprechend auch ihre erste Pokerrunde in Las Vegas, und wir sollten gleich direkt zusammen (oder gegeneinander) spielen. Wer hätte das gedacht?!

Für mich lief es recht gut, ich konnte dem einen Schweden in 2 Händen einen guten Teil seines Stacks abnehmen, und hatte nach weniger als einer Stunde das Buy-In für das Turnier bereits mehr als wieder eingespielt. So kanns weiter gehen, bitte! ;-)

Im Turnier hatte ich allerdings dann nicht den allerbesten Start: Zuerst floppe ich mit AQ zwei Paar auf einem Flop mit zweimal Herz. Ich biete wie ein Blöder, aber mein Gegner callt mich bis zum Schluss für mehr als 3/4 seiner Chips, nur um sich am River sein drittes Herz und somit den Flush zusammen zu kaufen. Im Hinterkopf mache ich mir die obligatorische Notiz für ihn: "Calling Station". Natürlich habe ich hier nichts falsch gemacht, er hat einfach nur entgegen seiner Gewinnwahrscheinlichkeit bezahlt. Solche Typen möchte man an einem Cashgame-Tisch natürlich immer gerne sehen, am besten noch mit voller Geldbörse. Denn auf Dauer verlieren sie mit diesem Spiel alle ihre Chips. Aber In einem Turnier kann ein socher Spieler die eigenen Nerven schon mal ganz gut auf die Probe stellen, besonders wenn er scheinbar unentwegt seine 20% Gewinnchancen trifft. Aber egal.

Die zweite, wichtige Hand verläuft ähnlich und ist wieder gegen meinen Freund aus der ersten Hand: Er raist in früher Position, ich reraise noch einmal mit einem Paar Buben, und er callt. Der Flop ist 677, zweimal Kreuz. Er checkt, ich biete 3/4 Pot, aber Mr. Calling Station pusht sofort All-In für mehr als doppelt soviel von dem was im Pot liegt. Alle Anzeichen sagen mir, dass ich wohl doch geschlagen bin bzw. maximal eine 50:50 Gewinnchance habe, wenn er z.B. AK in Kreuz haben sollte. Also folde ich meine Buben und er zeigt der Runde ganz stolz A7 in Herz. Nice Hand, Sir! *(3)

Und in der finalen Hand erhöhe ich vor dem Flop mit KQ, bekomme einen Caller vom Button und der Flop bringt QT8 mit zweimal Karo. Mein Gegner in dieser Hand hatte zuvor die letzten 4 oder 5 Hände vor dem Flop auch nur gecallt, und am Flop dann immer seine Hand nach einem Gebot aufgegeben.
Da ich nicht mehr allzu viele Chips habe, und der Flop relativ gefährlich ist, committe *(4) ich mich mit meinem Top Paar und biete 3/4 des Pots. Mein Gegner raist mich diesmal allerdings All-In, und ich muss wohl oder übel callen, obwohl ich schon ahne, dass ich geschlagen bin. Es hätte hier gut sein können, dass er den Flushdraw aggressiv spielt, mir die Dame nicht glaubt, oder einfach genervt ist, dass er ständig auf dem Flop hin- und hergeschubst wird… aber dieses Mal zeigt er ein Paar Asse, ich bekomme keine Hilfe mehr auf Turn oder River und bin ausgeschieden. Dumm gelaufen, aber das kommt vor.

Anschließend setze ich mich noch mal für ein paar Stunden an einen Cashgame-Tisch. Die beiden Schweden waren mittlerweile abgedackelt. Zwischenzeitlich lief auch diese Runde sehr gut, ich konnte einen Kanadier noch in einereinzelnen Hand um ca. 600$ erleichtern, als ich mit meinem Paar Könige den dritten König am Flop treffe, und er sich nicht von seinen Assen trennen kann. Aber leider flossen mir die Chips an diesem Tisch in den darauffolgenden Runden nur so durch die Hände. Ich machte den einen oder anderen schlechten Call und merkte dann irgendwann (immerhin noch rechtzeitig), dass ich eigentlich vollkommen übermüdet bin, und schon seit bestimmt einer Stunde nicht mehr mein A-Game zu spielen scheine. Ich strich also die Segel mit einem kleinen Tages-Plus von 350$ und lasse mich ins Hotel fahren.

Erkenntnis des Tages: Um erfolgreich Poker spielen zu können, musst du ausgeschlafen und in guter geistiger & körperlicher Verfassung sein, sonst kannst du die hart erwirtschafteten Gewinne von mehreren Stunden in wenigen Minuten verblasen. Keine gute Idee.

Gute Nacht aus Las Vegas und bis die nächsten Tage,

Euer Eike

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Sticky:

*(1) Unter einer guten Struktur versteht man, dass man zu Anfang recht viele Chips bekommt im Vergleich zu den Blinds (den Blindeinsätzen, die 2 Spieler in jeder Runde bezahlen müssen), und dass diese Blinds nicht allzu schnell ansteigen. Im diese Fall war das ein Anfangsstack von 4000 Chips, und zu Anfang Blinds von 25/50, die alle 40 Minuten steigen.

*(2) Unter einem "Monster" versteht man Hände, die besser sind als zwei Paar: also Drilling, Straße, Flush usw.

*(3) Diesen Satz liest und hört man immer wieder an Pokertischen. Im Grunde klingt er äußerst freundlich. In den meisten Fällen heißt es aber eher soviel wie: "Kollege, das hast du grottenschlecht gespielt. Aber diesmal hast du unverschämtes Glück gehabt. Mach weiter so, beim nächsten Mal nehm ich dich damit aus wie eine Weihnachtsgans. Versprochen!"

*(4) Man ist "committed" in einer Hand, wenn man bereits so viel Geld in einen Pot investiert hat, bzw. nur noch so wenige Chips im Vergleich zum Pot übrig hat, dass die Hand man kaum noch weg werfen kann. Man sollte sich deshalb bei Geboten darüber jederzeit bewusst sein. Auf dieses Prinzip gehe ich u.a. in meinem Buch für Fortgeschrittene und Experten – "Poker mit System 2" ein.

Eike bei der World Series of Poker... - 15. Jun 2008

Ankuft und Internetprobleme

Ich komme gerade von meiner ersten kleinen Tour in Las Vegas und fasse einmal zusammen, was bisher hier abgegangen ist:

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Ich komme gerade von meiner ersten kleinen Tour in Las Vegas und fasse einmal zusammen, was bisher hier abgegangen ist:

Nachdem ich am Donnerstag um 23 Uhr Ortszeit in Vegas angekommen bin, war es gefühlt (also nach deutscher Zeit) für mich ja im Grunde schon 7 Uhr morgens. Dementsprechen erledigt bin ich dann auch sofort ins Bett meines kleinen 2-Zimmer-Apartements gefallen. Aber während der Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel konnte ich schon mal einen ersten Eindruck von der atemberaubenden Licherpracht der Stadt gewinnen. Ein echter Hammer, das muss man gesehen haben!

Auf dem Flug von Chicago nach Vegas saß ich übrigens neben zwei sehr netten, jungen Schweden, die ebenfalls auf der WSOP einige Events spielen werden. Wir haben viel über Poker gefachsimpelt, und uns am Ende gegenseitig gewünscht, besser nicht zusammen an einen Tisch gelost zu werden. War sehr lustig, der Flug. Die Jungs wissen definitiv, wovon sie reden und irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir uns noch ein paar Mal über den Weg laufen werden in der Stadt der vielen Lichter…

Mit der Ankunft ging sonst alles glatt: das Gepäck ist in einem Stück angekommen, das Zimmer ist auf den ersten Blick absolut ok und die Lage wirklich perfekt. Die Unterkunft ist nur 2 Minuten zu Fuß vom Rio Hotel entfernt: dem Hotel, in dem die Spiele der World Series stattfinden. Eine strategische Wahl also, wie Ihr Euch denken könnt. Denn eins wusste ich schon, bevor ich die Reise antrat: In Las Vegas braucht man gute Sohlen! Da läuft man schon den einen oder anderen Meter am Tag, und die Taxis sind auf Dauer nicht gerade billig.
An Tag 2 meines Trips würde erst einmal eine kleine Erkundungstour der Gegend auf dem Programm stehen, soviel stand fest. Aber erst nach einer gehörigen Portion Schaf.

Mein Zimmer in Vegas

Am nächsten Morgen wollte ich also schön auf dem Bett mit meinem Laptop einen kleinen Plan für die kommenden Tage schmieden: mal eben kurz meine Mails checken, die neusten Updates von der World Series einholen und meinen zweiten Blogeintrag machen.
Aber dann ging schon das erste Desaster los: Das Internet war mal da, mal weg, mal langsam, mal schnell. Kurzum: eine absolute Katastrophe. "High-Speed Internet Access" hieß es dem Prospekt… Aber davon war mal gerade nur äußerst wenig zu spüren. Also schlug ich mir den halben Tag mit der Rezeptionistin und vollkommen ahnungslosen Callcenter-Agents der Internetfirma des Hotels am Telefon um die Ohren und versuchte gleichzeitig, ein anderes Apartement zu bekommen oder irgendwie einen Accesspoint ausfindig zu machen. Die ernüchternde Aussage des Hotels: Ab Montag ist ein Zimmer frei, das einen direkten Internetzugang hat. Na, super!
Im benachbarten Palms-Hotel fand ich dann schließlich immerhin ein Internetcafé, das für sage und schreibe 1$ pro Minute einen Zugang zum WWW anbietet. Ich erledigte das absolut nötigste in 16 Minuten 24 Sekunden und lernte für 17$ gleich mal die erste, und allerwichtigste Besucher-Lektion in Las Vegas: Diese Stadt ist in jederlei Hinsicht TEUER!

Gegen Nachmittag bin ich dann auf eine erste, kleine "Poker-Erkundungstour" gegangen: zunächst wollte ich natürlich mal sehen, wo die Events der Poker Weltmeisterschaft stattfinden. Der Bereich für die WSOP im Rio Hotel ist riesig und der Haupt-Spielsaal (der sog. "Amazon-Room") war bereits um 15 Uhr voll gepackt mit Spielern, Promis, Zuschauern, Pressevertretern und anderen Menschen, die mit der Organisation oder ähnlichem zu tun hatten. Ich habe gleich zu Beginn beinahe Phil Helmuth über den Haufen gerannt, der angeregt telefonierend durch die Menge wandelte, und wurde in einem anderen Pokerraum von einem ziemlich angetrunken wirkenden Andy Black "umgetorkelt". Er ist zielstrebig (in Schlangenlinien) auf Joe Hachem zusgeteuert, der sich wohl noch in einem Turnier (Event 23) befand. Beide quatschen lauthals über irgendwelche Anekdoten und Joe rannte immer mal wieder zurück zum Tisch, um kurz eine Karten zu prüfen, diese zu folden, und zurück zu seinem lallenden Kumpel zu kehren. Keine Ahnung, ob Andy Black wirklich betrunken war, aber ein lustiges Schauspiel war es allemal. ;-)
Aber kaum jemand nahm davon wirklich Notiz. Denn das passierte ja alles nur im Nebenraum. Im Amazon-Room fanden schließlich gerade 3 weitere Turniere parallel statt, u.a. auch ein Final Table. Die Rail (also der Bereich entlang der Absperrung für die Turniertische) war so voll, als gäbe es hier irgendwo eine Parade zu sehen. Es ist wirklich der Wahnsinn, was hier los ist.

Der Amazon-Room

Und bevor es hier auch für mich los gehen wird mit der WSOP, möchte ich mich erst einmal ein wenig warm spielen… Also ab in eins der vielen Casinos und ran an die Cashgametische! Und was dort so abgeht, erzähle ich Euch dann morgen.

Beste Grüße aus Vegas,

Euer Eike

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